Abgänge/Zugänge

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Bei den Gitarren hat sich ein bisschen was geändert. Die Santa Cruz habe ich endlich verkauft (ging innerhalb von 24h nach Posten der Anzeige) und dadurch ein bisschen Kapital freigemacht.

Ich hatte es gar nicht vor, aber dann ging alles ganz schnell, und ich habe eine wunderbare Albert & Müller S1 Ahorn gefunden und gekauft. Die DInger werden nicht mehr gebaut (die Firma hat sich aufgelöst) und sind dementsprechend selten. (Einziges kleines Manko: mit knapp 55mm sehr enges string spacing am Steg.)

Dann habe ich mich entschlossen, die Hanika wieder abzugeben, weil ich einfach zu selten darauf gespielt habe. Das hat größtenteils mit dem breiten Griffbrett zu tun. Inspiriert von Michael Sagmeisters Spiel auf einer Yamaha-Nylonstring wollte ich diesen Sound aber trotzdem irgendwie nicht missen. Nach ein wenig Recherche habe ich mich dann für eine Gitarre der Marke Cordoba entschieden, bin nach Wattenscheid gefahren und habe aus dem Sortiment von Beyer’s „meine“ Cordoba ausgesucht. In Asien gebaut, super verarbeitet, super Bespielbarkeit (48mm Sattelbreite, gewölbtes Griffbrett), super Klang, sehr gutes Tonabnehmersystem.

Einen Koffer für die Deerbridge 00 habe ich auch endlich gefunden.

Für die Deerbridge habe ich einen neuen Sattel gemacht (habe beim „Optimieren“ des Originals zu tief gefeilt …). Ist super geworden.

Bei der A&M habe eine neue Stegeinlage gemacht, mit etwas weiterem Saitenabstand (jetzt 60mm)

La Magnanerie

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Ich habe gerade eine Woche Jazz-Gitarren-Workshop in der Provence mit Michael Sagmeister hinter mir.

Der Ort: ein altes Gehöft auf dem Land (Céze-Schlucht), das in ein Hotel umgewandelt wurde. Mehrere Gebäude, viel Platz, ein schöner Innenhof, ein Pool, relativ rustikale Zimmer. Sehr nettes Personal. Praktisch alle Aktivitäten abgesehen von Schlafen und Unterricht fanden draußen statt.

Die Teilnehmer: insgesamt 18 Gitarristen unterschiedlichen Spiel-Niveaus. Mehrere von ihnen haben schon mehrfach an dem Workshop teilgenommen, einer war schon das 9. oder 10. Mal da! Bis auf mich und zwei andere Kollegen alle mit E-Gitarre (mehrere ES 335, eine L5, eine Sadowsky, eine Eastman, 2 Ibanez George Benson GB10, eine Höfner Verythin, 3 Les Pauls, eine Tele Cabronita, der Meister selbst spielt heuer FGN). Nebst Verstärkern (mehrere AERs, div. Fender Amps, ein Henderson Jazz Amp, zwei oder drei Yamaha THRs, ein oder zwei Roland Cubes). Ich hatte meine Collings OM 2H mit, die auf die Kollegen einen Riesen-Eindruck gemacht hat. Ich hatte auch den Vorteil, draußen immer der lauteste zu sein 😉

Viele hatten ihre Partnerinnen mitgebracht, von denen einige am gleichzeitig dort stattfindenden Gesangs-Workshop teilnahmen. (Die Dozentin Antonella D’Orio ist die Partnerin von Michael Sagmeister.)

Der Dozent: Prof. Michael Sagmeister, Lehrstuhlinhaber für Jazzgitarre an der Uni Frankfurt. Seit den 70er Jahren ist er in eigenem Namen und in Kollaborationen (u.a. mit Pat Martino, Larry Coryell, Philip Catherine, Billy Cobham, Jack DeJohnette, Dave Samuels, Randy Brecker, Miroslav Vitouš, Albert Mangelsdorff, Wolfgang Dauner, Volker Kriegel, Christoph Spendel, Christof Lauer, Attila Zoller, Emil Mangelsdorff, der hr-Bigband, William Kennedy, Gerry Brown) musikalisch aktiv, tourt weltweit und produziert regelmäßig CDs. Ein Praktiker also. Dass er auch Didaktiker ist, hat er während der Woche hinreichend unter Beweis gestellt. Sein Lehrkonzept ist zwar im Prinzip aus seinen Standardwerken bekannt, aber wenn man ihm direkt gegenübersitzt und ihm zuhört, ist das doch noch eindrücklicher. Er hat es auch gut verstanden, sich auf die doch recht unterschiedlichen Niveaus der Teilnehmer einzustellen. Darüberhinaus ist er ein sehr unterhaltsamer und witziger Zeitgenosse, der haufenweise Anekdoten aus der Champions-League des Jazz erzählen kann. (“Den Al Di Meola haben wir früher immer Zentrifugen-Santana genannt.”)

Der Tagesablauf bestand aus je 2h Unterricht von 10:00 bis 12:00 und von 16:30 bis 18:30, die übrige Zeit war zur freien Verfügung, natürlich auch zum Üben und Jammen mit den Kollegen. Abends wurde meist getrunken 😉 (Man muss dazu sagen, es war recht heiß dort…)

Am letzten Abend haben wir ein kleines Konzert organisiert. Zunächst haben einige Workshop-Teilnehmer etwas vorgespielt, danach folgte ein Konzert von Michael und Antonella. Ein wunderbarer Abend!

Zusammenfassend kann ich sagen, dass das für mich eine tolle Woche war, in der ich viele musikalische Anregungen bekommen und einige nette Leute kennengelernt habe. Fazit: unbedingt empfehlenswert!

Info: http://www.med-music-school.com/Workshops/jazz-gitarre.html

Deerbridge 00-15 „Billie“

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Die Gitarre, die ich vor 10 Monaten beim Hersbrucker Gitarrenbauer Martin Wieland bestellt habe, ist nun endlich fertig! (Die Firma heißt Deerbridge Guitars: deer bridge = Hirsch Brücke = Hersbruck.)
Die Idee dazu kam mir, nachdem ich mehrmals Voll-Mahagoni-Gitarren von Richard Hoover (Santa Cruz Guitar Company) gespielt hatte, Gitarren aus der “1929”-Serie, eine 00 und eine 000. Dies sind sehr schlicht gehaltene, aber ungemein kunstfertig gebaute Instrumente, die noch dazu betörend klingen. Leider sind sie auch sehr teuer, und in den letzten Jahren wegen des ungünstigeren Wechselkurses auch noch teurer geworden.
Ich begann, im Netz nach kleinformatigen Mahagonigitarren zu forschen und bekam über das Fingerpicker-Forum Kontakt zu Martin Wieland, der mir anbot, mir eine Gitarre nach meinen Vorstellungen zu bauen.
Ein längeres Telefonat und etliche Mails später wurde die Idee konkret: es sollte eine Gitarre in 00-Größe ganz aus Mahagoni sein. Mit Cutaway bei einer 12-fret-Konstruktion mit “kurzer” Mensur. Die Kopfplatte sollte ursprünglich, wie bei den Santa Cruz 1929-Modellen, eine geschlossene sein. Ich habe mich aber von Martin überzeugen lassen, dass die Gitarre mit durchstochener Kopfplatte a) besser aussieht und b) womöglich anders/besser klingt.
Das Binding sollte aus Palisander sein, keine Purflings, Griffbrett (ohne Einlagen), Steg und Kopfplattenfurnier aus Ebenholz. Einziger “Zierrat” an der Gitarre würden ein kleines Dreieck bei der schlichten Schallloch-Rosette und der Deerbridge-Hirsch auf der Kopfplatte sein, beides aus Perlmutt. Und noch einige andere Details wurden festgelegt, etwa das Halsprofil, das meiner Collings OM nachempfunden sein sollte, das Sunburst oder die nickelfreien EVO-Bünde.
Einziger Haken: 9 Monate Wartezeit (je nachdem auch etwas länger)!
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Nach scheinbar endlosem Warten bin ich nun endlich nach Hersbruck gefahren (5 h 1-way) und habe Martin besucht, um “Billie” (spontane Eingebung, Referenz an Billie Holiday) abzuholen. Das war schon ein Erlebnis! Ich kann sagen, dass der Klang der Gitarre meine Erwartungen so ziemlich erfüllt hat, sie klingt tatsächlich ähnlich wie die 00-1929, die ich damals gespielt habe (oder zumindest wie die Erinnerung, die ich nach 2 Jahren noch an den Klang habe). Auffällig ist die für eine Mahagonigitarre große Transparenz des Klangbildes mit schön silbrigen Höhen und die völlige Abwesenheit von “Hupen” oder boxyness, eine Eigenschaft, die kleinere Korpusformate normalerweise gerne mitbringen. Schon jetzt, kaum eine Stunde gespielt, bietet die Gitarre eine schöne Klangdynamik abhängig von Anschlagsstärke und -Position. Ich frage mich, was aus dem Klang noch werden soll, wenn die Gitarre erstmal eingespielt ist? (oder tut sich da bei Mahagoni nicht mehr viel?)
Hier ein paar Klangbeispiele:

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Toll für mich als longscale-Spieler ist natürlich die kürzere Mensur, die die Bequemlichkeit deutlich erhöht. Dazu trägt auch der relativ flache Korpus bei. Es ist ja bei kleinformatigen Gitarren beliebt, das scheinbar fehlende Volumen durch größere Tiefe wettmachen zu wollen (s. a. Santa Cruz H-13), aber das muss gar nicht immer sein. Diese 00 hat mit 12er Saiten Bässe, die sich sehr gut ins Klangbild einfügen und nie zu schwach erscheinen. Die Vorteile des flachen Formats sind die direktere Ansprache und die Ergonomie, die dazu führt, dass man mit dem Ohr näher an der Decke ist, wenn man spielt, so dass der Spieler insgesamt ein ‘intimeres’ Klangerlebnis hat.
Zum Thema Handling gehört auch der Cutaway. Ich habe häufig gehört, dass so etwas aus ästhetischen Gründen abzulehnen sei, insbesondere bei einem Instrument mit ansonsten “historischer” Silhouette. Man hätte dann ja auch gleich die 14-fret-Variante nehmen können. Dazu sage ich: ich bin froh, dass der Cutaway da ist, er erleichtert das Spiel in den hohen Lagen. Und ich wollte eine 12-Bund-Gitarre.
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Ein kleines Problem hat sich ergeben: ein passender Koffer für eine 12-fret 00 ist zumindest auf dem deutschen Markt wohl nicht erhältlich. Einstweilen liegt die Gitarre auch recht gut im Klassik-Gitarren-Koffer, so oft soll sie ja auch nicht verreisen. Aber falls jemand da eine Quelle kennt, bitte melden!

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Na, und nun sitze ich gerade im Zug, der mich wieder nach Hause bringt, zur Feier des Tages habe ich 1. Klasse gebucht und wie erhofft ein 6er Abteil für mich allein. Perfekt. Eigentlich ist so eine 00 auch die ideale Reisegitarre…

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Stimmbruch

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Immer noch nicht durch mit dem Thema. Hier also meine 4. Baritone, eine Walden B1e, die günstig gebraucht zu bekommen war. 682 mm Mensur, Sitka/Ind. Palisander, incl. Pickup und „Zargenradio“.
Die ersten Saiten, die ich probiert habe, waren wieder die Elixir Baritone .016 -.070. Wenn man die blanke .022er F#-Saite gegen eine umsponnene gleicher Stärke austauscht, sind diese Saiten auf dieser Mensur ganz brauchbar.
Es bleibt aber das Problem, dass die tiefe Stimmung (B-E-A-D-F#-B) bei Mehrklängen in den unteren Lagen auf den Basssaiten etwas matschig klingt.
Etwas Abhilfe bekommt man, wenn man die mittleren beiden Saiten eine Oktave höher stimmt, natürlich mit dünneren, blanken Saiten. Das sog. half-Nashville tuning. Dies kann wegen der veränderten Akkordumkehrungen , besonders bei Jazz-Akkorden sehr reizvoll und dicht klingen. Ist aber wegen der Intervallsprünge beim Skalenspielen gewöhnungsbedürftig.
Die beste Lösung für mich ist ein .014er Saitensatz, der dann 3 Halbtöne unter Standard gestimmt wird, also C#-F#-B-E-G#-C#. Jetzt klingt die Walden wieder mehr nach Gitarre, obwohl die Bässe immer noch mächtig sind.
Mir gefällt diese Gitarre sehr gut, sie hat ein nicht alltägliches Design, ist gut verarbeitet und klingt toll.

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Ich bin schwanger. Oder nee, Martin Wieland ist schwanger. Ich habe eine Gitarre bei ihm bestellt, die soll in neun Monaten fertig sein.
Hier die Specs:

  • Name: Billie
  • Bauform: Double-O (00) 12-fret Cutaway
  • Boden und Zargen: Honduras Mahagoni
  • Decke: Honduras Mahagoni
  • Beleistung: modifiziertes X, scalloped, abgestimmt, 1/4“
  • Hals: 1-teilig Honduras-Mahagoni, Nitrolackierung
  • Halsform: sanftes „V“ schlank
  • Griffbrett: Ebenholz
  • Inlays: keine
  • Kopfplatte: Geschlossene Kopfplatte, Ebenholz overlay
  • Ränder (Korpus): Echtholz / Palisander
  • Purfling: keine
  • Rosette: Triangle
  • Steg: Ebenholz „Pyramid“
  • Bridge-Pins: Ebenholz mit Abalone-Einlage
  • Sattel & Stegeinlage: Knochen / kompensiert
  • Mechaniken: Schaller GrandTune nickel Ebenholz Buttons
  • Lackierung: Nitrocellulose hochglanz getönt/shaded (ähnlich Santa Cruz 1929)
  • Mensur: 630 mm
  • Hals-Breite: 45 mm / 58 mm spacing Steg
  • Koffer: Double-O

Ick freu ma!