Ende der Fahnenstange

Der Plan ist ja seit letztem Jahr, die Gitarrensammlung zu verkleinern bzw. zu konsolidieren. Weg von Quantität, hin zu Qualität. Der Anfang war die J-45 vor einem Jahr.
Im letzten Herbst war ich dann das erste Mal in Bergentheim bei Rudi (Fellowship of acoustics) und habe dort die bei ihm im Webshop gekaufte Stevens Baritone (was hat mich da eigentlich geritten?) gegen eine Larrivée OM-03RE getauscht. Ich hatte zuvor die Santa Cruz OM eines Freundes für ein paar Monate “zur Pflege” gehabt und wollte nun auch eine hochwertige Fingerstyle-Gitarre haben.
Die Larrivée ist eine gute Gitarre, keine Frage. Aber für mich nicht ganz die richtige: matte Lackierung, relativ breites Griffbrett (45 mm), klobiges Cockpit zur Bedienung des Pickups. Dafür war sie für mich damals bezahlbar. Aber natürlich war ich angefixt, nachdem ich bei Rudi noch einige andere Instrumente gespielt hatte.
Vor kurzem habe ich dann meine alte Tama Dreadnaught an einen Freund verkaufen können und bin mit der Larrivée im Kofferraum nach Holland gefahren. Nicht ohne zuvor ein gutes Dutzend Gitarren aus dem riesigen Sortiment ausgewählt zu haben. Und diese Gitarren habe ich dann eine nach der anderen getestet. Zusätzlich waren da ein oder zwei Instrumente von George Lowden, die ich so vorher gar nicht auf dem Zettel hatte und die mir die Wahl nochmals erschwert haben.
Hängengeblieben bin ich dann bei dieser Schönheit:
Collings OM-2H Collings OM-2H
im Koffer im Koffer
kein Rio, sondern "nur" ostindischer Palisander kein Rio, sondern “nur” ostindischer Palisander
Das ist kein Klavierlack, sondern tiefschwarzes Ebenholz. Das ist kein Klavierlack, sondern tiefschwarzes Ebenholz.
Die Collings OM-2H war von allen OMs (Martin, Santa Cruz, andere Collings, Lakewood, Vermeer) die mit der leichtesten Ansprache, den fettesten Bässen, dem silbrigsten Ton. Außerdem hat sie Headroom ohne Ende. Sie sieht toll aus und riecht sogar gut!
Eine bessere Fingerstyle- bzw. Allround-Gitarre werde ich für mich nicht finden.
Die Lowdens allerdings… das ist nochmal eine eigene Klangwelt, die mich auch noch interessiert…

Artenschutz für Gitarren?

Kurz, nachdem ich die Tama 12-string in einer Kleinanzeige zum Verkauf angeboten hatte, bekam ich eine Mail. Anonym. Inhalt:

Als Hinweis: http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/themen/cites/Info_Dalbergia_nigra.pdf

Dieses Dokument besagt, dass der Handel mit Rio-Palisander (Dalbergia nigra ist die botanische Bezeichnung) grundsätzlich verboten ist, auch von privat und auch innerhalb Deutschlands.
Es sei denn, man kann nachweisen, dass a) das Holz vor 1992 geschlagen wurde und b) das Holz vor 1992 in die EU eingeführt wurde. Dann darf man eine Vermarktungsbescheinigung beantragen. Veräußert man das Holz ohne diese Bescheinigung, macht man sich strafbar.

Nun hatte ich ein Problem: ich konnte zwar nachweisen, dass die Gitarre vor 1992 gebaut wurde (Bescheinigung von Ibanez Japan). Aber der Kauf damals bei eBay war nicht ganz koscher, auch wenn weder der Verkäufer noch ich als Käufer überhaupt von dem Holz wussten. Trotzdem, wenn’s ganz blöd gelaufen wäre, hätte die Gitarre beschlagnahmt werden können.
Zum Glück hatte ich es mit netten und wohlmeinenden Menschen hier im Amt zu tun und konnte so meine Tama 12-string aus der Illegalität befreien. Das Forum bei fingerpicker.de war hier eine große Hilfe!

tone-rite – sehr interessante Resultate

tone-riteIch habe vor gut 2 Wochen günstig ein tone-rite bekommen. Es handelt sich um eine Art Vibrator (50Hz), der auf eine Gitarre geklemmt werden kann und diese dann in Schwingung versetzt. Der gewünschte Effekt ist, dass die Hölzer der Gitarre irgendwie “eingeschwungen” werden. Im Prinzip wie bei einer neuen Gitarre, die irgendwie steif und ungelenk klingt und die sich durch fleissiges Spielen schließlich “öffnet”. Das soll nämlich mit Änderungen der internen Struktur des Holzes durch das Schwingen zusammenhängen. Gehen wir mal davon aus, dass dieses Phänomen existiert.

Das tone-rite soll nun diesen Effekt simulieren bzw. beschleunigen. Die Werbung spricht auch davon, dass alte, lange nicht gespielte Gitarren wieder besser klingen würden. Ich bin da relativ skeptisch, schließlich erzeugt das tone-rite lediglich eine Grundschwingung von 50 Hz (Wechselstromfrequenz). Selbst wenn man diverse Oberschwingungen mitzählt, ist das immer noch ein sehr begrenztes Spektrum.
Ich habe das Gerät wie gesagt günstig bekommen, für den Neupreis hätte ich das nicht angeschafft. Aber neugierig war ich schon länger. Bei meiner Gitarrensammlung in Verbindung mit meinem Job komme ich nämlich kaum dazu, alle Instrumente regelmässig und häufig zu spielen. Eine kleine Unterstützung könnte also hilfreich sein. (Luxusprobleme, ich weiß.)

Als das Teil da war, habe ich es als erstes auf die vor 2 Monaten bei Rudi in Bergentheim gekaufte Larrivee OM (Fichte/Palisander) geklemmt und diese dann für 3 Tage in den Keller gesperrt. Im Zimmer möchte man das Ding nicht haben, dazu ist es zu laut. Etwa wie ein kleiner Röhrenamp, an dem ein Klinkenkabel ohne Gitarre hängt, das ist auch dieselbe Frequenz.
Nach 3 Tagen (Herstellerempfehlung) konnte ich so gut wie keinen Unterschied feststellen.

Höfner Konzertgitarre, 80er Jahre, Fichte/Ahorn: für einen Freund bei eBay erstanden, keine Ahnung, ob massive oder gesperrte Decke, keine Ahnung, wie lange vorher nicht gespielt. Ergebnis: keine deutliche Veränderung. (Die Gitarre klang aber auch vorher nicht schlecht.)

Tama Dreadnaught: die Gitarre war vor nem Vierteljahr neubebundet worden und vorher 3-4 Jahre sehr wenig (<1h/Monat) gespielt worden. Ergebnis nach 3 ½ Tagen: mehr Lautstärke, mehr Brillianz, mehr Definition. Deutlich positiv.

Gibson J45: ½ Jahr alt, Spieldauer ca. 3-4h/Woche. Ergebnis: keine deutliche Veränderung.

Keine der Gitarren klang nach der Behandlung schlechter als vorher.

Wenn man will, kann man diese Ergebnisse als Bestätigung der Herstellerbehauptungen auffassen. Gitarren, die sowieso “eingespielt” sind, werden nicht verbessert. Möglicherweise auch Gitarren mit gesperrter Decke. Bei der Tama (Fichte/Palisander) aber hat der Klang auf jeden Fall gewonnen, es scheint wirklich, als habe sich das Instrument geöffnet.

Meine andere Höfner und die Art&Lutherie Ami brauchen die Behandlung aber vorerst nicht, beide werden regelmässig gespielt und klingen gut so.

 

[Update]: Ich habe der Tama noch ein paar Tage mehr gegönnt, und es hat sich nochmal gelohnt.

The Goat Rodeo Sessions

Ich bin ja schon lange ein Fan von den Punch Brothers und generell der Musik von Chris Thile. Jetzt habe ich von einem weiteren Projekt des genialen Mandolinisten erfahren: The Goat Rodeo Sessions, eine Kollaboration mit Yo-Yo Ma (Cello), Edgar Meyer (Bass) und Stewart Duncan (Violine). Bei zwei Tracks ist außerdem die Sängerin Aoife O’Donovan dabei. Leute: das ist unglaublich mitreissende, kurzweilige Musik zwischen Klassik, Bluegrass, Irish Jigs und Singer/Songwriter-Pop, gespielt von echten Künstlern auf ihren jeweiligen Instrumenten. (Es kommen außerdem noch vor: Gamben, ein fretless nylon string Banjo, ein Piano und eine Gitarre.)

Ich empfehle euch außerdem, die Deluxe-Version im iTunes Store zu kaufen, da sind neben fünf Bonus-Tracks nämlich noch 13 (!) Videoclips aus dem Studio dabei, “making of…”-style. Kostet genauso viel wie die normale Version. Es ist auch ein Riesenspaß, den Musikern zuzuschauen.

Hier sind drei Songs, aufgenommen während eines NPR Tiny Desk-Konzerts: