
Ich habe hier jetzt drei alte Framus-Gitarren, alle mit kleinem Korpus und kurzer Mensur. Über die eine hatte ich ja neulich schon geschrieben. Die beiden anderen sind im Laufe der letzten Tage hier eingetrudelt.
Die Gitarren stammen aus industrieller Massenfertigung in den 50er und 60er Jahren, man bekommt sie relativ günstig über eBay. Alle drei Gitarren haben im Grunde dieselbe Konstruktion, Hals geschraubt, Steg geschraubt, Boden gewölbt. Die Unterschiede liegen in den verwendeten Hölzern, der Korpusgröße, der Mensurlänge, der Kopfplatte und vor allem dem Erhaltungszustand.
Da wäre zunächst die kleinste im Bunde:
Hier bin ich mir ziemlich sicher, dass es sich um eine massive Fichtendecke auf gesperrtem Ahornkorpus mit angeschraubtem Ahornhals handelt. Die Gitarre ist relativ gut erhalten, keine offenen Leimfugen, wenig Kratzer, keine Löcher. Allerdings hat damals jemand mit einem spitzen Gegenstand seine Lieblingsinterpreten in der Decke verewigt (Deep Purple, David Cassidy, Juliane Werding, T. Rex)! Auch das damals obligate Peace-Zeichen fehlt nicht. Diese “Gravuren” sind aber nur aus nächster Nähe zu sehen und stören mich überhaupt nicht. Die Mechaniken waren Schrott und wurden gegen einen neuen Satz Grover “Sta-Tite” ausgetauscht.
Die Gitarre ist etwas anspruchsvoll bespielbar, da der Hals recht schmal ist und die Mensur lediglich 58cm beträgt. Aber die Saitenlage ist dank des Schraubhalses tadellos.
Der kleine Korpus produziert so gut wie keine Bässe, dafür aber sehr detaillierte Mitten und Höhen. Die Gitarre spricht sehr direkt an. Ideal für Fingerpicking und auch Slide. Härteres Strumming mag sie nicht so.
Das “große Schwester”-Modell:
Etwas größerer Korpus, etwas längere Mensur, dafür eine schmalere Kopfplatte. Die Decke ist wahrscheinlich gesperrt, der Ahornkorpus weist eine leichte Riegelung auf. Die Gitarre ist sehr gut erhalten.
Die Bespielbarkeit ist gut, vor allem, seit ich den Halswinkel mittels eines dünnen Furnierstreifens angepasst habe. Aber auch die längere Mensur und der breitere Hals tragen dazu bei.
Der Klang dieser Gitarre ist natürlich auch etwas größer als der der kleinen, allerdings auch gewöhnlicher, uninteressanter.
Das häßliche Entlein:
Gleiche Korpusgröße wie die große Schwester, allerdings aus anderem Holz (Walnuss?). Definitiv gesperrte Fichtendecke. Fensterkopfplatte.
Dieses Teil ist von den dreien am schlechtesten erhalten: die Decke hat eine erhebliche Delle zwischen Steg und Schallloch:

Außerdem hatte sie sich schonmal vom Korpus gelöst und ist nur notdürftig refixiert worden:


Aber es gibt auch Positives zu berichten: irgendein Vorbesitzer hatte mal neue Mechaniken installiert, deren Wickelachsen zwei Löcher zum Einfädeln der Saiten aufweisen. Und eine Fensterkopfplatte benötigt auch keine monströsen Saitenniederhalter wie die beiden anderen. So ist diese Gitarre am besten zu stimmen.
Der Klang dieser Gitarre ist deutlich anders als beim gleich großen Schwestermodell: breiter, weniger mittig, lauter. Fast wie eine eingebaute Loudness-Funktion.
Fazit: es lohnt sich, nach solchen alten Schätzchen Ausschau zu halten. Man muss aber auch ein bißchen Glück haben und ein gut erhaltenes Exemplar finden. Möglichkeiten gibt es genug.
Hi Scooter, du Gitarrenwahnsinniger! Gott seis gedankt, dass ihr so´n großes Haus habt und die Teile ooch Platz ham … hab mir gerade ne Plunderklampfe auf dem winzigen Flohmarkt vor unserer Haustür gekauft – 15 E´s … muss man aber leider den Steg leimen … nu ja. Bis bald ma! Grüße, Peer