Archiv für den Monat: November 2009

Hackbook

Schon seit einiger Zeit juckte es mich in den Fingern, mal ein Experiment mit einem Netbook und Mac OS X zu machen. Nun hatte meine Liebste sich ein Herz gefasst und entschieden, dass ihr altes iBook (G3 500MHz, yes) in Rente kommt und dafür ein Handtaschen-kompatibles Netbook gekauft wird. Ich hatte ihr versichert, dass auf solchen Kisten auch das beste derzeit erhältliche Betriebssystem läuft.

Anleitungen für ein solches Unterfangen gibt es ja zuhauf im Netz, auch Listen mit kompatibler Hardware. Also haben wir in der Bucht nach einem Dell Mini 10v gesucht, das wird von informierten Kreisen als besonders kompatibel angepriesen. Zu meiner Freude gab es sogar eins, das a) noch nicht alt, also mit Garantie war, b) 2GB RAM schon drin hatte und c) bereits mit Mac OS X 10.6.1 veredelt war. Selbst die Original Snow Leopard-DVD war in Originalverpackung dabei. Zur Freude meiner Angebeteten hatte dieses Gerät sogar einen Ferrari-roten Deckel (der bei Dell wohl extra kostet). Das Ersteigern war für mich alten eBay-Sniper (und zwar ohne eins dieser unsportlichen Programme, die es dafür offenbar gibt) dann nur noch ein Klacks. Der Preis war okay.

Nun ist es also da, das Schmuckstück.


Das Design kann (natürlich) nicht mit den Apple-Geräten mithalten, dennoch wirkt die Kiste nicht billig. Die Ausstattung ist für den Einsatzzweck völlig ausreichend, ein SD-Kartenleser ist drin, Maus, iPod und USB-Stick lassen sich ohne Hub anschliessen. Die Festplatte ist geräumig (160GB), VGA reicht wohl für die meisten Beamer, 100MBit Ethernet ist da, wenn man es braucht. Einzig ein UMTS-Modul fehlt. Mit knapp 1,3kg ist das Teil erstaunlich schwer.

Nach Druck auf den Power-Button meldet sich der vertraute Apfel auf grauem Hintergrund. Kurz darauf wird man vom Snow Leopard-Desktop begrüßt. Zunächst wird mal ein neuer Benutzer angelegt, Dropbox installiert sowie die Einstellungen angepasst. Im Prinzip läuft alles wie gewohnt. Dazu gehören

  • WLAN (802.11a/g/n)
  • Bluetooth 2.1
  • Schlafmodus (inkl. pulsierender Power-Leuchte vorne am Gerät)
  • Kamera (wenn auch mit schlechterer Qualität als bspw. im MacBook)
  • Audio (gar nicht mal soo schlechter Sound über die eingebauten Speaker)
  • Lautstärke- und Helligkeits-Tasten
  • automatisches Runterregeln der Display-Helligkeit im Akku-Betrieb

Ausnahmen:

  • Einige Fenster (insbesondere bei den System- und Programmeinstellungen) sind tatsächlich zu hoch für die 600 Pixel, die das Display in der Höhe hat. Lösbar ist das, indem man folgendes im Terminal eingibt: defaults write -g AppleDisplayScaleFactor 0.8
    (Der User „amutti“ aus dem mydellmini.com-Forum hat ein nettes kleines Menüleisten-Programm gebastelt, mit dem das on-the-fly geht: get it here.)
  • Das Bluetooth-Modul lässt sich nicht abschalten, jedenfalls nicht über das entsprechende Menulet. Aussen am Gerät oder auf dem Keyboard habe ich auch keinen Knopf gefunden.
  • Mehrere gleichzeitige Kopiervorgänge im Finder über WLAN bringen den Prozessor anscheinend an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Beachball galore.
  • YouTube HD ruckelt.
  • Das Trackpad ist sehr gewöhnungsbedürftig. Es ist klein und reagiert oft sehr empfindlich auf Fingerbewegungen. Für mich fast unbrauchbar und Fluch-provozierend. Besser, man hat eine kleine Maus dabei.
  • Das „About this Mac“-Fenster zeigt den Prozessor als „Unbekannt“ an.

Noch nicht ausprobiert habe ich BootCamp (müsste gehen), Booten von USB, Booten von SD-Card und Hibernate. Zur Akkulaufzeit kann ich auch noch nichts sagen.

Fazit: zur Zeit die preiswerteste Variante von mobilem Mac-Feeling.