Archiv für den Monat: April 2010

Leleland Berlin

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Gestern abend habe ich mir mit zwei Freunden die Nase am Schaufenster des Leleland in der Gneisenaustrasse in Berlin-Kreuzberg plattgedrückt. „Ey kuck mal, ne Les Paul-Uke!“ „Sieh dir mal die Tweed-Cases an, wachsen die noch?“ und ähnliches sprudelte aus unseren offen stehenden Mündern. Ein Laden, der nur Ukulelen führt. Und Zubehör. Wir waren baff. Plötzlich nähert sich ein verschmitzt dreinschauender Herr und fragt: „Wollt ihr rein?“ Spricht’s und zückt den Schlüsselbund. Die nächste halbe Stunde versuchen wir, sämtliche 150 (geschätzt) Instrumente der Reihe nach ausgiebig zu beäugen, belauschen und zu befingern. Der freundliche Besitzer des im Januar 2010 eröffneten Ladens führt uns lediglich Gitarre oder gar Bass spielende Grobmotoriker geduldig ein in die Welt des hüpfenden Flohs.

Sämtliche von der Gitarre bekannten Bauformen existieren hier: Klassik, Flattop, Archtop, Solidbody (Les Paul, Telecaster, Surfcaster), Resonator, mit Cutaway, mit Doppelsaiten etc pp. Weiter gibt es die verschiedenen Mensurlängen: Sopran (aka. Standard, g‘ c e a), Tenor (ebenfalls g‘ c e a), Bariton (d g b e?). Dann noch die sog. „low-g“ Stimmung bei Sopran und Tenor, wo die 4. Saite eine Oktave tiefer klingt, also insgesamt der Gitarre ähnlicher. Gerade die oktavierte g-Saite aber macht für mich den Reiz dieses Instrumentes aus, so ergeben sich eben komplett andere, in der Regel „engere“ Voicings.

Heute mittag habe ich meine Erforschung des Ladens vertieft, konnte ganz in Ruhe* die verschiedenen Modelle anspielen und mir „meine“ Uke auswählen. Klar, dass 98% der dort angebotenen Instrumente aus China stammten. Ausnahmen: eine aus Portugal, ein paar tschechische („europäische“), eine amerikanische Martin und zwei oder drei deutsche Ukulelen. Meine ist eine chinesische „Richwood“ mit Nato-Korpus mit Mahagoni-Decke. Klang für mich subjektiv am preis-wertesten. Als Besonderheit hat die Richwood eine umwickelte C-Saite (das ist die 3. Saite), die sich ganz passabel ins Klangbild einfügt und die gefühlte Lautstärke erhöht. Die Mechaniken sind keine normalen Uke-Pegs, die keinerlei Übersetzung haben und das Stimmen zur Geduldübung machen, sondern übliche Gitarrenmechaniken.
Allerdings ist das Setup verbesserungsfähig: die Saitenlage über dem 1. Bund ist zu hoch, so dass besonders bei der C-Saite das bekannte Phänomen der – im Vergleich zur Leersaite – zu hoch klingenden gegriffenen Töne zum Tragen kommt. Hier wird die Sattelfeile zum Einsatz kommen müssen, evtl. sogar ein Kompensationsstäbchen für die Leersaite. Außerdem schnarren die Töne im 7. Bund der oberen beiden Saiten. Der 8. Bund muss somit etwas flacher gefeilt werden. Generell könnten auch die Bundenden besser verrundet sein. Insgesamt bin ich aber ganz zufrieden mit dem charmanten Klang der Zwergengitarre.

Das obige Foto habe ich aus dem Netz, genauer aus dem Forum des 1. deutschen Ukulele-Clubs (jaja, die Deutschen…), mein Handy-Akku war zu dem Zeitpunkt leer, so dass ich keine eigenen Fotos habe machen können. Ich gehe davon aus, dass es im Sinne des Besitzers ist, wenn der Laden auf diese Weise bekannt gemacht wird. Gerne hätte ich natürlich auch zur Webseite des Leleland verlinkt, aber die scheint noch nicht fertig zu sein. Dort wird es aber auch einen Shop geben, wo man Instrumente, Saiten und Zubehör online wird erwerben können.

*Während meines Beratungsgespräches betritt ein amerikanisches Pärchen mit 18 Monate altem Kleinkind den Laden. Grußlos macht sich die Frau an allerlei Instrumenten zu schaffen, während der Papa versucht, das Blag davon abzuhalten, sämtliche in Greifnähe befindlichen Gegenstände an sich zu reißen. Unterdessen unterhalten sie sich lautstark auf englisch. Wenn ich nicht so differenziert über Amerikaner denken würde, hätte ich bestimmt etwas geäußert wie „typisch ungehobelte, arrogante, großkotzige Gringos“. Die Frau konnte übrigens sehr gut mit der Ukulele umgehen. Der Ladenbetreiber trug’s mit Fassung und ging freundlich auf die beiden zu.