Archiv für den Monat: Oktober 2010

zweites Schallloch für akustische Gitarre

Die Idee ist nicht neu: ein Schallloch in der Zarge kann bei akustischen Gitarren den Klang, den der Spieler hört, verbessern. Einige Gitarrenbauer machen das schon länger. Da ich seit kurzem zwei identische Art & Lutherie AMI Parlor-Gitarren habe, wollte ich das nun mal selbst versuchen. Ein kurzes Gespräch mit dem Gitarrenbauer meines Vertrauens hat gereicht, um mich dafür zu rüsten.

Man nehme: 1 Bohrmaschine, 1 8er Holzbohrer, ein Puk-Sägeblatt, Schleifpapier in 100er, 200er und 400er Stärken, 1 Stück Rundstab mit ca. 4cm Durchmesser, 1 Stück doppelseitiges Klebeband.

Zunächst aber muss man sich eine Schablone in der gewünschten Form des Schalllochs erstellen. Ich habe mir am Rechner ein Oval gezeichnet, dieses ausgedruckt und ausgeschnitten, auf die Zarge gelegt und den Umriss mit Edding übertragen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Reifchen im Inneren des Korpus nicht tangiert werden. Es empfiehlt sich, einen Abstand von mindestens 15mm zu Decke und Boden einzuhalten.

Dann bohrt man innerhalb des Ovals mehrere Löcher und sägt anschließend – wieder innerhalb des Ovals – das Loch aus. Nun nimmt man den Rundstab, beklebt ihn mit doppelseitigem Klebeband und wickelt das Schleifpapier herum. Damit schleift man das Loch sauber aus, zuerst mit dem 100er, dann mit dem 200er und zuletzt mit dem 400er Papier.

So sieht das bei meiner Gitarre aus:

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Man sieht, dass das Loch an zwei Stellen minimal ausgefranst ist, aber für den ersten Versuch nicht schlecht, oder? Nun könnte man noch den Rand des Loches „verkleiden“ bzw. mit einem Binding versehen.

Von vorne sieht man nix:

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Das Ergebnis ist klanglich beeindruckend, es kommt einfach viel mehr beim Spieler an. Zur besseren Demonstration kann man jemanden bitten, das Loch während des Spielens mal zuzuhalten und dann wieder zu öffnen. Auch scheint der Klang „nach vorne raus“ nicht beeinträchtigt. Sehr empfehlenswert.

Samstag Nacht

Die 29-jährige Frau, die ihr drittes Kind auf dem Klo bekommt. Die Schwangerschaft war von Familie, Kindsvater und der örtlichen Gynäkologenzunft unbemerkt geblieben. Kein Mutterpass, keine Ultraschalle, keine Anmeldung in irgendeiner Klinik. Das Ganze spielte sich ab im Haus ihrer Eltern, die Mutter lallend im Jogginganzug, Spritflaschen überall, volle Aschenbecher, Klamotten, Gerümpel. Das Kind gottseidank wohlauf, aber noch an der Nabelschnur und der inzwischen im Klo liegenden Plazenta hängend. Okay. keine weiteren Details.

Die Frau währenddessen unbekümmert, scham-los und un-verschämt, froh, auf diese Weise ein kostenloses Taxi in die Geburtsklinik bekommen zu haben. Die Wehen hatten 6 Stunden vorher begonnen, inzwischen war es drei Uhr morgens.  

Das über 70-jährige Ehepaar, das in einer chic eingerichteten Altbauwohnung über zwei Stockwerke wohnt, die einzig durch eine 1 m breite, steile Wendeltreppe verbunden sind. Um die Treppe zu erreichen, muss vorher ein maximal 60 cm breiter Durchgang passiert werden. Überflüssig, zu erwähnen, dass Schlaf-, Arbeits- und Badezimmer oben liegen. Und dass die Frau ein kleines kardiologisches Problem hat (um 4:30h. Beschwerdebeginn wie üblich ca. 6 Stunden vorher). Der Mann möchte, dass wir seine Frau runter tragen. Ich stelle ihn vor die Wahl: entweder sie geht selbst runter oder wir holen die Drehleiter und die Nachbarn bekommen was zu sehen. Sie geht. Immerhin: out-of-bed-time <30min.

Die besoffenen Jugendlichen, die kurz danach vor meinem (geöffneten) Fenster Furzwettbewerbe abhalten.

Black Dub


Fast zu schön, um wahr zu sein: Daniel Lanois, der mit „The Beauty of Wynona“ eine der schönsten Platten ever gemacht hat, hat ein neues Projekt: Black Dub. Gesang: Trixie Whitley, der Tochter des leider viel zu früh verstorbenen, großartigen Chris Whitley (den Lanois damals „entdeckt“ hatte). Schlagzeug: Brian Blade, der mit „Fellowship“ eine von Daniel Lanois produzierte, ebenfalls großartige Platte gemacht hat, der in der Band von Joni Mitchell war und der wohl einer der besten Jazzschlagzeuger unserer Zeit ist. Bass: Daryl Johnson von den Neville Brothers. Den Clips bei YouTube nach zu urteilen, wird das eine geniale Platte sein. Kommt Ende Oktober raus.
Hier noch ein Clip von Trixie Whitley, solo:

Tacoma Olympia OB3-CE

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Durch Zufall per Kleinanzeige gefunden. Ich wusste bislang gar nicht, dass Thomann auch eine Kleinanzeigen-Seite unterhält.

Es handelt sich um die Budget-(Asien-)Version des Tacoma Thunderchief, ein recht beliebter Akustikbass mit angeblich sehr voluminösem Sound. Auch über den Olympia ist im Netz eine Menge gutes zu lesen, allgemein heisst es, dass der Bass im Wortsinne sehr preiswert ist. Ein guter, relativ lauter Akustikklang wird da versprochen. Es gibt nur einen Nachteil: der Bass ist seit mindestens zwei Jahren nicht mehr erhältlich.

Obwohl die Anzeige schon ein paar Wochen alt war, war der Bass noch nicht verkauft. Über den Preis sind wir uns schnell einig geworden, ein passendes Gigbag und ein Satz La Bella-Saiten waren mit dabei.

Der Korpus ist komplett aus Sperrholz, Fichte für die Decke, Mahagoni für Boden und Zargen. Hals wieder Mahagoni, Griffbrett und Steg aus Palisander. Es ist ein Fishman Classic 4 Pickup/Preamp eingebaut.

Die Saiten, die der Vorbesitzer (hallo Joachim!) aufgezogen hatte, sind mit schwarzem Nylon überzogene Flatwounds (La Bella 760N). Mit denen klingt der Bass sehr weich und tatsächlich ein bisschen nach Hundehütte (Kontrabass). Die Bespielbarkeit war auch recht gut, allerdings war für meinen Geschmack die Saitenlage etwas zu flach. Nach einer Viertelumdrehung des Halsstabs war es dann auch möglich, fester anzuschlagen, ohne dass es schnarrte. Aber: richtig laut war das nicht, da hatte ich im Netz anderes gelesen.

Nun hatte ich etwas Zeit und zufällig noch einen Satz La Bella „Deep Talking Bass Strings“ (760FL) in der Schublade, auch Flatwounds, aber ohne Nylonstrümpfe. Nach dem Austausch ging jetzt aber die Sonne auf: gefühlt mindestens doppelte Lautstärke, mehr Bässe, mehr Definition, mehr Sustain. Kann mit einer nicht zu laut gespielten Westerngitarre mithalten, was für die meisten günstigen Akustikbässe eben nicht gilt. Ohne Amp geht da meist gar nichts.

Der Pickup liefert einen ganz ordentlichen Klang. Wenn man die Treble- und Brilliance-Regler ganz runterdreht. Brauchbar. Für mich ist der akustische Ton aber wichtiger.

Fazit: es lohnt sich, nach so einem Bass zu suchen, er ist jeden Euro wert.

[Update]Ich habe inzwischen mal die Flatwounds von Rotosound ausprobiert (Monel Flatwounds SM77). Diese sind vergleichsweise „bright“, im Neuzustand geradezu drahtig, auch ein wenig lauter als die La Bellas. Allerdings hat man auch mehr Fingergeräusche. Könnte auf einem Jazz Bass interessant sein, aber eher nicht so geeignet für den Akustik-Bass. Der klingt dann doch „bässer“ mit den wolligen La Bella Flats.