Tama 3557/12

Per automatischer Benachrichtigung in der Bucht entdeckt. 70er Jahre Tama 12-string, incl. Original-Koffer. 5 min. vor Auktionsende stand die noch bei knapp über 200€. Das war viel zu wenig, also eBay-App angeschmissen und 1 sec. vor Schluß reingegrätscht. Klassisches Schnäppchen. Dachte ich. 2 Wochen später (nachdem ich noch 10€ extra für den unerwartet teuren Versand draufgelegt hatte) kam die Gitarre hier an, ohne zusätzliche Umverpackung. Naja. Nach dem Öffnen des Koffers war sofort klar, dass diese Gitarre hilfe brauchte: Der Steg hatte sich im hinteren Bereich etwa um 5 mm gelöst, außerdem war er bass-seitig um ein paar mm nach vorne gerutscht. Die andere Seite war mittels zweier Schrauben, die gleichzeitig einen Barcus Berry Piezo-Pickup hielten, befestigt. Zusätzlich war noch ein Geflecht aus dünner Litze zwischen Saiten und Steg durchgefädelt. Saitenerdung?  Die Saiten selbst schienen, wie in der Beschreibung angegeben, noch die originalen Saiten zu sein. Beim Entfernen derselben fiel mir auf, dass ich von jedem Stegpin nur die oberen 7 oder 8 mm herausziehen konnte, der Rest war weggegammelt. Schließlich waren die Saiten entfernt (mit dem Grind von 35 Jahren) und die Pinreste alle raus. Nun war klar, dass der Steg sich komplett vom Korpus gelöst hatte, sauber, ohne viel Deckenholz mitzunehmen.

Der Rest der Gitarre war in ganz gutem Zustand – nach Entfernung des klebrigen Belages, der das ganze Instrument bedeckte (drei Lappen habe ich weggeworfen). Die kolportierte Geschichte zu der Gitarre handelt von verstorbenen Familinenmitgliedern, die „damals eine Band hatten“, dann das Interesse verloren und die Gitarre im Koffer, zusammen mit einem in Auflösung befindlichen Gitarrengurt und einigen Salzstangen, in einen einigermaßen trockenen Keller eingelagert hatten. Wo sie dann vom Verkäufer, einem Hinterbliebenem des ursprünglichen Besitzers, entdeckt wurde. Natürlich „habe ich keine  Ahnung von Gitarren und verkaufe sie so wie sie ist, ohne Gewährleistung“. So stand denn in der Beschreibung nichts über den erbärmlichen Zustand der Gitarre, auch nicht, dass sie gar nicht spielbar war.

Geschenkt. Den Steg wieder aufzuleimen, sollte doch ein Routinejob für einen Gitarrenbauer sein. Ludger Wannenmacher, ein Bielefelder Gitarrenbauer, hat dies in bewährter Qualität erledigt, zusätzlich die Schraubenlöcher im Steg verfüllt und den Sattel angepasst.

Nachdem die Gitarre nun wieder zum Leben erweckt ist, wird klar, dass dies eine kaum gespielte, hochwertige japanische 12-Saiten-Gitarre aus den 70ern (vermutlich 1974) ist, die erst noch eingespielt werden muss und sich sehr wahrscheinlich klanglich verbessern wird. Allerdings klingt sie für meine Ohren jetzt schon gigantisch, voll, orchestral, mächtig, laut. Die 12er Elixirs sind in dieser Anzahl vom Zug her schon heftig, man braucht erheblich mehr Kraft zum Greifen, und so habe ich alles mal einen Halbton tiefer gestimmt und die Gitarre auch klanglich nochmals „tiefergelegt“.

 

Ein Gedanke zu „Tama 3557/12

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