Archiv für den Monat: Juni 2012

micro-mesh

Ich habe heute den Hals meiner J-45 einer Behandlung mit Micro-mesh unterzogen. Zuerst mit 1.800er, dann 2.400, 3.200, 3.600, 4.000, 6.000, 8.000 und schließlich 12.000er „Körnung“. Zwischendurch immer wieder den Hals mit einem feuchten Tusch abwischen, um den Schleifstaub zu entfernen. Ergebnis: Rückgang der Klebrigkeit des Halses um ca. 80-90%. Ganz weg ist es nicht, wäre es aber vielleicht, wenn ich, wie empfohlen wird, mit 1500er angefangen hätte. Erwähnenswert ist noch, dass der Hals mindestens genauso glänzt wie vorher. Klar, nach dem 1.800er ist er erstmal stumpf, aber nach dem 8.000er glänzt er wie vorher, das 12.000er bringt m. E. sogar noch ein bisschen mehr Glanz.

Fazit: empfehlenswerte Behandlung des sticky neck syndrome.

[Update 01.07.12] SNS is back. Das Ganze hat nicht lange gehalten. Inzwischen habe ich die Behandlung wiederholt, diesmal mit 1500er Papier am Anfang und nur bis 4000. Schon am nächsten Tag war der positive Effekt verschwunden.
Ein weiterer unangenehmer Nebeneffekt von SNS: der Daumen auf der Halsrückseite wird nicht nur gestoppt, sondern erzeugt dabei auch lästige Quietsch-Geräusche. Beim lauten Strumming kein Problem, subtileres Material aber wird gestört dadurch.

Es gibt jetzt noch drei Optionen, dem Problem Herr zu werden:

  1. warten, bis es von alleine weggeht (kann wohl bis zu mehreren Jahren dauern)
  2. dem Lack mit 0000er Stahlwolle zu Leibe rücken
  3. die Halsrückseite komplett entlacken

Die letzten beiden Optionen sind halt auch optisch nicht so erstrebenswert. Gibson hat das Mahagoni von Hals und Korpus nicht einfach klar lackiert, sondern einen fast deckenden braunen Lack genommen. Man müsste also wirklich die ganze Halsrückseite inkl. Halsfuß und Kopfplattenrückseite behandeln, damit kein störender Übergang entsteht und es einigermaßen aussieht.

Mich würde mal interessieren, wie weit verbreitet dieses Problem wirklich ist. Haben das alle Besitzer einer (neueren) Gibson-Gitarre? Hat das mit der Zusammensetzung des Handschweißes zu tun?

OP erfolgreich

Heute nachmittag bin ich bei schönstem Wetter der J-45 mit der Bohrmaschine zu Leibe gerückt:

Gibson selbst empfiehlt genau diese Position für den vorderen Gurtpin. Aber warum installieren sie ihn dann nicht gleich selbst? Nicht jeder Gitarrist ist so unerschrocken und legt selbst Hand an.

Außerdem habe ich die Stegeinlage etwas tiefer gelegt. Das Risiko war kalkuliert, in den nächsten Tagen kommt da ohnehin eine aus Knochen rein. Auch der Sattel wird gegen einen aus Knochen ausgetauscht. Wer möchte bei so einer hochwertigen Gitarre schon Plastikteile an den kritischen Stellen haben?

sticky neck syndrome

Man muss offensiv damit umgehen, es nützt niemandem, wenn solche Symptome totgeschwiegen werden: meine tolle Gibson J-45 hat das sticky neck syndrome (SNS). Von Anfang an gehabt, ich wollte es nur nicht wahrnehmen. Wahrscheinlich war ich durch den betörenden Sound geblendet, als ich sie unter einem halben Dutzend anderer J-45 ausgesucht habe.

SNS manifestiert sich durch einen stumpfen, leicht klebrigen Belag, der sich nach wenigen Minuten des Spielens auf der Rückseite des Halses bildet und der ein wirklich komfortables Spielen unmöglich macht. Die Bewegung der Hand wird manchmal regelrecht gebremst. Fühlt sich scheisse an und sieht auch scheisse aus, um es zusammenzufassen.

Amerikanische Foren sind sich noch uneinig über die korrekte Behandlung des SNS. Die Empfehlungen gehen von diversen Tinkturen, Öl- oder Silikonhaltig, über Feuerzeugbenzin, Naphtalin und Carnaubawachs bis hin zu drastischeren Maßnahmen wie das Abreiben mit 0000er Stahlwolle. Die „Krönung“ ist dann das komplette Entlacken des Halses.

Meine eigenen Behandlungsversuche bisher bestanden in einfachem Abwischen mit Microfasertuch sowie dem Auftragen von bzw. Abwischen mit „X4-OXI“ Instrumenten-Reiniger. All to no avail, wie der Angelsachse sagt.

Mein nächster Schritt wird nun das Behandeln des Halses mit Micro-Mesh® sein, einem Schleifleinen mit sehr feiner Körnung (1500 bis 12000), das in einem widerum amerikanischen Forum als „ultimate cure“ angepriesen wird. Das Zeug gibt’s über amazon zu kaufen. Ich werde berichten, ob’s geholfen hat.

Finally

Gibson J-45

So eine wollte ich schon lange haben, heute war es soweit. Ich war bei einem bekannten Musikalienhändler in Ibbenbühren und habe zwei Stunden lang Gibson-Akustiks ausprobiert, außerdem noch eine Martin 000-15 (toll) sowie diverse Taylors (meh).

Die J-45 stand ja quasi schon fest, ich musste sie nur noch aus 5 Exemplaren (3x Sunburst, 2x au naturel) aussuchen. Eigentlich waren es sogar 6, wenn man die J-45 Custom mitzählt. Diese ist, im Gegensatz zur Standard J-45 aus Mahagoni, eine Palisander-Gitarre, was man auch deutlich hört. Der Klang der J-45 Custom geht schon sehr in Richtung Martin. Im ersten Moment meint man, da wurde irgendwo eine Loudness-Taste gedrückt. Allerdings ist der Klang eben nicht so rund und dicht wie bei der Mahagoni-J-45.

Das beste aus beiden Welten bietet meines Erachtens dann die Advanced Jumbo („Five Star 1930s Advanced Jumbo“), auch aus Palisander, tolle Gitarre, allerdings außerhalb meines Budgets. Wie auch die John Hiatt Signature (auch ne J-45), die Woody Guthrie Signature (Southern Jumbo) oder die Jackson Browne Signature (12-fret J-45).

Kurz und gut, ich habe mich letztendlich für die klassische J-45 aus Mahagoni entschieden, mit Fichtendecke in Tobacco Sunburst und Palisander-Griffbrett und -Steg, alles massive Hölzer. Als Zugabe ist noch ein L.R. Baggs Pickup nebst Preamp und Volumeregler eingebaut, alles quasi unsichtbar.
Die Gitarre klingt traumhaft, vor allem natürlich mit Plektrum, aber auch mit den Fingern gespielt.

Noch etwas: die Gitarre riecht gut. Bisschen wie Vanille. Könnte auch der Nitrolack sein.

Möchte jemand eine 12-saitige Tama von 1974 aus Fichte/Palisander kaufen?