Archiv für den Monat: Januar 2013

tone-rite – sehr interessante Resultate

tone-riteIch habe vor gut 2 Wochen günstig ein tone-rite bekommen. Es handelt sich um eine Art Vibrator (50Hz), der auf eine Gitarre geklemmt werden kann und diese dann in Schwingung versetzt. Der gewünschte Effekt ist, dass die Hölzer der Gitarre irgendwie „eingeschwungen“ werden. Im Prinzip wie bei einer neuen Gitarre, die irgendwie steif und ungelenk klingt und die sich durch fleissiges Spielen schließlich „öffnet“. Das soll nämlich mit Änderungen der internen Struktur des Holzes durch das Schwingen zusammenhängen. Gehen wir mal davon aus, dass dieses Phänomen existiert.

Das tone-rite soll nun diesen Effekt simulieren bzw. beschleunigen. Die Werbung spricht auch davon, dass alte, lange nicht gespielte Gitarren wieder besser klingen würden. Ich bin da relativ skeptisch, schließlich erzeugt das tone-rite lediglich eine Grundschwingung von 50 Hz (Wechselstromfrequenz). Selbst wenn man diverse Oberschwingungen mitzählt, ist das immer noch ein sehr begrenztes Spektrum.
Ich habe das Gerät wie gesagt günstig bekommen, für den Neupreis hätte ich das nicht angeschafft. Aber neugierig war ich schon länger. Bei meiner Gitarrensammlung in Verbindung mit meinem Job komme ich nämlich kaum dazu, alle Instrumente regelmässig und häufig zu spielen. Eine kleine Unterstützung könnte also hilfreich sein. (Luxusprobleme, ich weiß.)

Als das Teil da war, habe ich es als erstes auf die vor 2 Monaten bei Rudi in Bergentheim gekaufte Larrivee OM (Fichte/Palisander) geklemmt und diese dann für 3 Tage in den Keller gesperrt. Im Zimmer möchte man das Ding nicht haben, dazu ist es zu laut. Etwa wie ein kleiner Röhrenamp, an dem ein Klinkenkabel ohne Gitarre hängt, das ist auch dieselbe Frequenz.
Nach 3 Tagen (Herstellerempfehlung) konnte ich so gut wie keinen Unterschied feststellen.

Höfner Konzertgitarre, 80er Jahre, Fichte/Ahorn: für einen Freund bei eBay erstanden, keine Ahnung, ob massive oder gesperrte Decke, keine Ahnung, wie lange vorher nicht gespielt. Ergebnis: keine deutliche Veränderung. (Die Gitarre klang aber auch vorher nicht schlecht.)

Tama Dreadnaught: die Gitarre war vor nem Vierteljahr neubebundet worden und vorher 3-4 Jahre sehr wenig (<1h/Monat) gespielt worden. Ergebnis nach 3 ½ Tagen: mehr Lautstärke, mehr Brillianz, mehr Definition. Deutlich positiv.

Gibson J45: ½ Jahr alt, Spieldauer ca. 3-4h/Woche. Ergebnis: keine deutliche Veränderung.

Keine der Gitarren klang nach der Behandlung schlechter als vorher.

Wenn man will, kann man diese Ergebnisse als Bestätigung der Herstellerbehauptungen auffassen. Gitarren, die sowieso „eingespielt“ sind, werden nicht verbessert. Möglicherweise auch Gitarren mit gesperrter Decke. Bei der Tama (Fichte/Palisander) aber hat der Klang auf jeden Fall gewonnen, es scheint wirklich, als habe sich das Instrument geöffnet.

Meine andere Höfner und die Art&Lutherie Ami brauchen die Behandlung aber vorerst nicht, beide werden regelmässig gespielt und klingen gut so.

 

[Update]: Ich habe der Tama noch ein paar Tage mehr gegönnt, und es hat sich nochmal gelohnt.