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Deerbridge 00-15 „Billie“

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Die Gitarre, die ich vor 10 Monaten beim Hersbrucker Gitarrenbauer Martin Wieland bestellt habe, ist nun endlich fertig! (Die Firma heißt Deerbridge Guitars: deer bridge = Hirsch Brücke = Hersbruck.)
Die Idee dazu kam mir, nachdem ich mehrmals Voll-Mahagoni-Gitarren von Richard Hoover (Santa Cruz Guitar Company) gespielt hatte, Gitarren aus der “1929”-Serie, eine 00 und eine 000. Dies sind sehr schlicht gehaltene, aber ungemein kunstfertig gebaute Instrumente, die noch dazu betörend klingen. Leider sind sie auch sehr teuer, und in den letzten Jahren wegen des ungünstigeren Wechselkurses auch noch teurer geworden.
Ich begann, im Netz nach kleinformatigen Mahagonigitarren zu forschen und bekam über das Fingerpicker-Forum Kontakt zu Martin Wieland, der mir anbot, mir eine Gitarre nach meinen Vorstellungen zu bauen.
Ein längeres Telefonat und etliche Mails später wurde die Idee konkret: es sollte eine Gitarre in 00-Größe ganz aus Mahagoni sein. Mit Cutaway bei einer 12-fret-Konstruktion mit “kurzer” Mensur. Die Kopfplatte sollte ursprünglich, wie bei den Santa Cruz 1929-Modellen, eine geschlossene sein. Ich habe mich aber von Martin überzeugen lassen, dass die Gitarre mit durchstochener Kopfplatte a) besser aussieht und b) womöglich anders/besser klingt.
Das Binding sollte aus Palisander sein, keine Purflings, Griffbrett (ohne Einlagen), Steg und Kopfplattenfurnier aus Ebenholz. Einziger “Zierrat” an der Gitarre würden ein kleines Dreieck bei der schlichten Schallloch-Rosette und der Deerbridge-Hirsch auf der Kopfplatte sein, beides aus Perlmutt. Und noch einige andere Details wurden festgelegt, etwa das Halsprofil, das meiner Collings OM nachempfunden sein sollte, das Sunburst oder die nickelfreien EVO-Bünde.
Einziger Haken: 9 Monate Wartezeit (je nachdem auch etwas länger)!
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Nach scheinbar endlosem Warten bin ich nun endlich nach Hersbruck gefahren (5 h 1-way) und habe Martin besucht, um “Billie” (spontane Eingebung, Referenz an Billie Holiday) abzuholen. Das war schon ein Erlebnis! Ich kann sagen, dass der Klang der Gitarre meine Erwartungen so ziemlich erfüllt hat, sie klingt tatsächlich ähnlich wie die 00-1929, die ich damals gespielt habe (oder zumindest wie die Erinnerung, die ich nach 2 Jahren noch an den Klang habe). Auffällig ist die für eine Mahagonigitarre große Transparenz des Klangbildes mit schön silbrigen Höhen und die völlige Abwesenheit von “Hupen” oder boxyness, eine Eigenschaft, die kleinere Korpusformate normalerweise gerne mitbringen. Schon jetzt, kaum eine Stunde gespielt, bietet die Gitarre eine schöne Klangdynamik abhängig von Anschlagsstärke und -Position. Ich frage mich, was aus dem Klang noch werden soll, wenn die Gitarre erstmal eingespielt ist? (oder tut sich da bei Mahagoni nicht mehr viel?)
Hier ein paar Klangbeispiele:

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Toll für mich als longscale-Spieler ist natürlich die kürzere Mensur, die die Bequemlichkeit deutlich erhöht. Dazu trägt auch der relativ flache Korpus bei. Es ist ja bei kleinformatigen Gitarren beliebt, das scheinbar fehlende Volumen durch größere Tiefe wettmachen zu wollen (s. a. Santa Cruz H-13), aber das muss gar nicht immer sein. Diese 00 hat mit 12er Saiten Bässe, die sich sehr gut ins Klangbild einfügen und nie zu schwach erscheinen. Die Vorteile des flachen Formats sind die direktere Ansprache und die Ergonomie, die dazu führt, dass man mit dem Ohr näher an der Decke ist, wenn man spielt, so dass der Spieler insgesamt ein ‘intimeres’ Klangerlebnis hat.
Zum Thema Handling gehört auch der Cutaway. Ich habe häufig gehört, dass so etwas aus ästhetischen Gründen abzulehnen sei, insbesondere bei einem Instrument mit ansonsten “historischer” Silhouette. Man hätte dann ja auch gleich die 14-fret-Variante nehmen können. Dazu sage ich: ich bin froh, dass der Cutaway da ist, er erleichtert das Spiel in den hohen Lagen. Und ich wollte eine 12-Bund-Gitarre.
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Ein kleines Problem hat sich ergeben: ein passender Koffer für eine 12-fret 00 ist zumindest auf dem deutschen Markt wohl nicht erhältlich. Einstweilen liegt die Gitarre auch recht gut im Klassik-Gitarren-Koffer, so oft soll sie ja auch nicht verreisen. Aber falls jemand da eine Quelle kennt, bitte melden!

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Na, und nun sitze ich gerade im Zug, der mich wieder nach Hause bringt, zur Feier des Tages habe ich 1. Klasse gebucht und wie erhofft ein 6er Abteil für mich allein. Perfekt. Eigentlich ist so eine 00 auch die ideale Reisegitarre…

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The Goat Rodeo Sessions

Ich bin ja schon lange ein Fan von den Punch Brothers und generell der Musik von Chris Thile. Jetzt habe ich von einem weiteren Projekt des genialen Mandolinisten erfahren: The Goat Rodeo Sessions, eine Kollaboration mit Yo-Yo Ma (Cello), Edgar Meyer (Bass) und Stewart Duncan (Violine). Bei zwei Tracks ist außerdem die Sängerin Aoife O’Donovan dabei. Leute: das ist unglaublich mitreissende, kurzweilige Musik zwischen Klassik, Bluegrass, Irish Jigs und Singer/Songwriter-Pop, gespielt von echten Künstlern auf ihren jeweiligen Instrumenten. (Es kommen außerdem noch vor: Gamben, ein fretless nylon string Banjo, ein Piano und eine Gitarre.)

Ich empfehle euch außerdem, die Deluxe-Version im iTunes Store zu kaufen, da sind neben fünf Bonus-Tracks nämlich noch 13 (!) Videoclips aus dem Studio dabei, „making of…“-style. Kostet genauso viel wie die normale Version. Es ist auch ein Riesenspaß, den Musikern zuzuschauen.

Hier sind drei Songs, aufgenommen während eines NPR Tiny Desk-Konzerts:

Black Dub


Fast zu schön, um wahr zu sein: Daniel Lanois, der mit „The Beauty of Wynona“ eine der schönsten Platten ever gemacht hat, hat ein neues Projekt: Black Dub. Gesang: Trixie Whitley, der Tochter des leider viel zu früh verstorbenen, großartigen Chris Whitley (den Lanois damals „entdeckt“ hatte). Schlagzeug: Brian Blade, der mit „Fellowship“ eine von Daniel Lanois produzierte, ebenfalls großartige Platte gemacht hat, der in der Band von Joni Mitchell war und der wohl einer der besten Jazzschlagzeuger unserer Zeit ist. Bass: Daryl Johnson von den Neville Brothers. Den Clips bei YouTube nach zu urteilen, wird das eine geniale Platte sein. Kommt Ende Oktober raus.
Hier noch ein Clip von Trixie Whitley, solo: