Roadster reloaded

So sah der alte Bass mal ursprünglich aus.

Ein RS 900 TV. Er hing damals, 1981, gebraucht und seiner Bünde beraubt in Rolf Feis‘ Musikgeschäft an der Kastanienallee in Braunschweig. Ich hatte gerade die Nina Hagen Band für mich entdeckt und fand Manne Praekers Bass-Spiel einfach nur geil. Außerdem interessierte ich mich für Return To Forever, Stanley Clarke, Al DiMeola und solches Zeug. Es musste also eine Bassgitarre her. Mein Vater hat mir diesen Traum erfüllt, indem er mir den Bass gekauft hat.


Zuerst wurde der Bass mit goldener Schaller-Hardware gepimpt, ein verstellbarer Webster-Messingsattel kam ebenfalls hinzu.
Später fand ich es notwendig, eine XLR-Buchse sowie einen aktiv-/passiv-Umschalter nebst LED zu installieren (das hatten damals die Edelbässe von Alembic und Konsorten). Also musste ein Beitel her, um das Elektrik-Fach zu vergrößern. Aufgrund mangelnder Kenntnisse nahm der Beitel jedoch seinen Weg von hinten durch die Decke des Eschenkorpus‘ (remember that one, Felix?), so dass fortan ein „Schlagbrett“ den Bass ziert, um den Makel zu verdecken.
Ende der 80er kam ich auf die tolle Idee, den Bass mit dem übriggebliebenen Lack von meinem Golf I zu verschönern. In dem Zug habe ich damals auch gleich die Kopfplatte „optimiert“ (auf dem Küchentisch, kein Scheiss!). Eine sinnvolle Ergänzung ist die Daumenstütze aus Plexiglas.
Die Elektrik (B-2 Active Tone Circuit) habe ich Anfang der 90er mal ausgetauscht (damals gab‘s das noch als Original-Ersatzteil).

Neuer Glanz

Die Farbe dieses Basses geht mir seit Jahren gehörig auf den Senkel. Allerdings klang er immer so gut, dass ich nicht den Elan aufgebracht habe, ihn komplett auseinanderzunehmen und zu entlacken – bis jetzt! Außerdem habe ich so einen alten Super 4 Pickup von einem Freund bekommen, der damals einen MC 800 NT hatte (und den leider auch gepimpt hat – aber das ist ne andere Geschichte).
Also zuerst zum Tischler, die Pickup-Fräsung vergrößern lassen. Soweit kein Problem. Nun musste der alte Lack runter.

Dazu schmiert man die Oberfläche mit Abbeizer ein, lässt es 3-4 Stunden einwirken und kratzt dann mit einem Spachtel den angelösten Lack runter. Repeat as necessary.

Irgendwann sieht es dann so aus. Man erkennt, dass ich damals vor dem Lackieren noch Spachtelmasse aufgetragen hatte. Auf der Rückseite ist noch viel von der alten Lackierung zu sehen.

Ein schneller Zusammenbau nach dem Grob-Schleifen ergab folgendes Bild:

Das selbstgeschnitzte Schlagbrettchen passte ja nun nicht mehr so gut. Außerdem waren 4 von 6 Gewinde der PU-Befestigung ausgeleiert und hielten nicht mehr. Was dazu führte, dass die PUs viel zu nahe an den Saiten lagen und eine saubere Intonation unmöglich machten. Zum Glück gab‘s was passendes im Baumarkt.

Als nächstes kam die Elektrik dran. Als Verschaltung für die beiden Single-Coils hatte ich mir überlegt, den 4-Weg-Schalter zu nehmen, den Fender für die Telecaster anbietet:

  1. Steg-PU
  2. Steg- und Hals-PU parallel
  3. Hals-PU
  4. Steg- und Hals-PU in Reihe

Damit hat man alle Möglichkeiten, zwei Spulen zu verschalten, abgesehen von out-of-phase-Sounds (ist m. E. nix für Bass).

Ein neues Schlagbrettchen musste ich auch schnitzen. Meine ursprüngliche Überlegung war, hierfür Perloid zu nehmen, was auf einem schwarzen Body sicher ganz gut aussehen dürfte. Das, was ich dann bei Rockinger bestellt habe, ist allerdings sehr gelblich und sieht einfach scheisse aus. Zum Glück hatte ich noch ein altes Tortoise-Schlagbrett einer Telecaster rumliegen, das ich dann geopfert habe.

Zwischenstand

So sieht es im Moment aus, fertig verdrahtet und mit funkelniegelnagelneuen güldenen Dome-Speed-Knöppen vom Rockinger:

Die Sound-Ausbeute ist fantastisch. Der Originalsound ist da, dazu ein sehr guter Preci-Sound vom Hals-PU, ein cleaner Mixsound beider PUs und als Bonus noch ein lauter, rotziger Reihenschaltungs-Sound. Mir fehlt nur noch der passive Sound, falls die Batterie mal schlappmacht.

to do next:

  • das Schlagbrett nochmal neu sägen, die Form ist noch zu eierig, außerdem muss der Schlitz für den Schalter neu
  • den Body feiner abschleifen
  • schwarzen Klavierlack applizieren lassen
  • eine neue Daumenstütze herstellen, diesmal aus Holz (4telrundstab o.ä.)
  • ein push/push-Poti als Ersatz für das kratzende Volume-Poti besorgen, mit aktiv/passiv-Umschaltung

[Update]

Danach hab ich ihn komplett zerlegt und zu einem Kollegen gebracht, der ihn Hochglanz-schwarz lackieren sollte. Klar, kein Problem, lediglich das Relief, das ich damals mit dem Sandstrahl herausgearbeitet hatte, musste nun wieder verfüllt werden. Laaangwierige Sache.

Egal. Heute kam der Body zurück, und ich habe den Bass wieder zusammengesetzt.

Dieser Bass ist zwar optisch recht weit entfernt von seinem Ursprungszustand, aber die Basis ist ja noch dieselbe. Der Bass klingt immer noch sehr funky, mit den zwei Pickups aber natürlich vielseitiger als früher. Die Optik gefällt mir auch sehr gut. Gut Ding will eben Weile haben.

to do next:

  • das Schlagbrett nochmal neu sägen, die Form ist noch zu eierig, außerdem muss der Schlitz für den Schalter neu
  • den Body feiner abschleifen
  • schwarzen Klavierlack applizieren lassen
  • eine neue Daumenstütze herstellen, diesmal aus Holz (4telrundstab o.ä.)
  • ein push/push-Poti als Ersatz für das kratzende Volume-Poti besorgen, mit aktiv/passiv-Umschaltung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.